Am 13. September war ich beim ProductCamp. Einen interessanten Vortrag hat dort Markus von leanovate gehalten, Thema – Hypothesen Kanban. Ich bin in letzter Zeit merke ich immer mehr universelle Einsetzbarkeit von Kanban und sehe hier ein weiteres Beispiel dafür.

Wer die Hypothesen, die er hinter dem neu entstehenden Geschäftsmodell / Produkt / Dienstleistung identifiziert und testet, kann damit viele Ressourcen sparen. Die meisten Hypothesen / Ideen auf denen gewöhnliche Business Pläne basieren stellen sich erfahrungsgemäß als nicht zutreffend heraus.

Das Board

Hypothesen Kanban Board

Ein Board für Hypothesen Kanban mit einem Backlog, und zwei Aktivitäten. Es dürfen gleichzeitig nur 4 Hypothesen in Bearbeitung sein. Durch die 3 Swimlanes kann die Organisation steuern, welche Arten von Ideen wie viel Aufmerksamkeit bekommen.

 

Ich habe das Board, dass Markus im Vortrag skizziert hat für den Blog einmal nachgezeichnet.

Der Flow der Hypothesen

Ideen die bezüglich des Produkts in der Organisation entstehen, kommen ins Backlog. Im nächsten Schritt wird eine Idee wird analysiert, wichtige Fragen in dieser Analyse sind:

  • Welche Hypothese über ein ungelöstes Problem der Kunden, steckt hinter dieser Idee?
  • Auf welche Metriken des Produkts hätte die erfolgreiche Implementierung der Idee Einfluss?
  • Wie könnte ein Experiment aussehen, mit dem wir die Hypothesen hinter der Idee testen könnten?

Es kann passieren, dass eine Idee sich beim genaueren Hinsehen als Irrtum erweist. Zum Beispiel stellt man fest, dass die hinter der Idee liegende Hypothese bereits getestet und verworfen wurde. Dann kommt die Idee in den Mülleimer.

Ist die Analyse fertig, kann das Experiment starten. Aus dem Experiment geht die Hypothese als verworfen oder als verifiziert hervor. Eine verifizierte Hypothese kommt dann in die Entwicklung, was hier als Out-Of-Scope betrachtet wird. Mit objektiven Daten aus einem Hypothesentest ist deutlich einfacher zu argumentieren, um Ressourcen für die Implementierung zu bekommen. Meist ist auch ein Teil des Wegs zum Produkt schon gegangen worden, so dass die Implementierung leichter fällt. Und mit dem erfolgreichen Experiment im Rücken ist es viel einfacher das Entwicklungsteam zu motivieren.

Hypothesen – Karte

Hypothesen-Karte

Beispiel einer Hypothesen Karte mit den wichtigsten Feldern

Alle wichtigen Informationen werden auf der Hypothesen-Karte festgehalten, unter anderem die Antworten auf die erwähnten Fragen. Zusätzliche Informationen wie zum Beispiel eine Deadline, Aufwandsschätzungen, Rahmenbedingungen, etc. können hier notiert werden. Eine Unterteilung ist dabei für die Lenkung des Organisation besonders wichtig.

Swimlanes für die Innovationskategorie

Produktideen können grob in drei Kategorien unterteilt werden:

  • Ideen die im Bereich Instandhaltung (Maintenance) liegen, das wäre zum Beispiel der Update einer iPhone App um die neueste iOS Version zu unterstützen. Es ist klar, dass sie gebraucht werden und sie helfen dem Geschäft nur heute.
  • Ideen können als Optionen angesehen werden. Das sind bekannte potentielle Maßnahmen von denen man sich fast sicher sein kann, dass sie morgen einen Mehrwert bringen werden. Zum Beispiel kann durch eine Integration mit einem Partner neues Geschäft durch Cross-Selling entstehen.
  • Und es gibt innovative Ideen. Sie liegen außerhalb des heute oder morgen unmittelbar einsichtigem. Ausgedachtes Beispiel: Unternehmen mit einer Online-Job-Plattform öffnet eine API-Schnittstelle und ermöglicht damit externen HR-Tool-Anbietern eigene Apps für die Plattform zu bauen.

Natürlich ist das Risiko, dass eine innovative Idee sich als Irrtum entpuppt höher, als bei einer Maintenance-Idee. Nur ist das Risiko das Maintenance auch nicht so klein, wie man denkt. Viele Features die ein Teil der Kunden einfordern, stört den anderen eher und führt nicht zur erwarteten Verbesserung. Für ein stabiles langfristig orientiertes Unternehmen ist es überlebenswichtig in Innovationen zu investieren. Gleichzeitig wäre ein ausschließliches Investment in Innovationen tödlich für ein bereits laufendes erfolgreiches Unternehmen.

Wie die Balance in einem Unternehmen aussieht, ist für jedes Unternehmen sehr spezifisch. Das Hypothesen Kanban hilft dabei diese Balance zu finden, in dem es das verschiedene Investment in diese drei Bereiche transparenz macht. Das erfolgt durch die Swimlanes, vertikale gestrichelte Linien im Board. Die Anzahl von Ideen, die sich gleichzeitig in einer Swimlane befinden, können ist wie in jedem Kanban beschränkt. Durch die Vorgabe wie viele Ideen es in jeder Swimlane sein dürfen, kann die Organisation den Prozess lenken.

Ash Maurya nutzt für in seinem Lean Stack auch ein Board. Aus meiner Sicht folgt er nicht ganz der Kanban Methodologie. Interessant wäre es beide Herangehensweisen zusammen zu führen.