Bild von einem Bach oder Fluß

Die normale Geschichte im Arbeitsalltag

 

In meiner Laufbahn als Praktikant, Angestellter, Freelancer habe ich Folgendes häufig erlebt. Jeder von uns kennt wahrscheinlich die Situation: Man bekommt eine Aufgabe von seinem Vorgesetzten. An dieser arbeitet man lange doch irgendwann stellt sich heraus, die Aufgabe ist nicht mehr relevant. Alle Arbeit war für die Tonne. Unmittelbare Gründe sind: Fehlende Ressourcen für die Umsetzung oder geänderte Prioritäten in der Geschäftsführung. Manchmal war die Arbeit doch nicht ganz umsonst, und die Ergebnisse werden vielleicht in einem halben Jahr zur Anwendung kommen, aber so was weiß man nicht sicher.

Wie fühlt man sich dann – entmutigt, frustriert, wirkungslos, ersetzbar? Typische Folgen sind Zynismus und Misstrauen gegenüber neuen Aufgaben. Diese könnten sich schließlich auch als unnötig erweisen. Man geht eine neue Aufgabe vielleicht gar nicht an, weil man schon vermutet, dass sie sich in 3 Wochen von allein erledigen wird. Bestätigt sich das Misstrauen, folgen dauerhafte Demotivation und Dienst nach Vorschrift.

Ich weiß: Eine Version der obigen Situation passiert 1000-fach – jeden Tag in vielen Unternehmen in Deutschland. Und weil es nicht nur einem isolierten Mitarbeiter passiert, sondern häufig gleich Vielen, ändert sich das gesamte Arbeitsklima. Die Arbeit fühlt sich zäh, träge und schwer an.

Ich glaube, dass keiner die persönliche Schuld dafür trägt. Jeder handelt nach seinem besten Wissen, der Vorgesetzte, wie der Mitarbeiter.

 

Arbeiten im Flow

 

Und dann begegne ich in meinem Leben Situationen in denen die Arbeit nur so fließt:

  • In kurzer Zeit entstehen viele Dinge, die das Unternehmen weiter bringen
  • Mitarbeiter fühlen sich unterstützt, geschätzt und wirkungsvoll
  • Vorgesetzte, wenn es sie den gibt, haben Vertrauen und sind begeistert von dem, was ihre Mannschaften vollbringen können.

So etwas habe ich regelmäßig bei Hackathons erlebt. Dort finden sich spontan Mannschaften zusammen, die innerhalb von 48 Stunden Prototypen aufbauen, die manchmal sofort verkauft werden können und aus denen häufig neue Unternehmen werden. Ich sehe das, wenn ich die Arbeit eines IDEO-Team bei Ihrer Design Thinking Arbeit beobachte (Entwicklung eines neuen Einkaufswagens). Ich habe diese Phasen selbst bei meinem StartUp namens WorkHub erlebt. Am Anfang als wir innerhalb von nur sieben Tagen das Kundeninteresse objektiv verifiziert hatten oder als wir nur nach einem Monat erste acht zahlenden Kunden hatten. Das Fließen habe ich auch erst kürzlich bei einem von mir aufgebautem Kanban Team erlebt.

 

Flow ist die Antwort auf eine zähe Arbeitsrealität

 

Was haben alle diese Zustände gemeinsam und wie lassen sie sich erreichen?

Die Antwort steckt aus meiner Sicht in Flow. Dieser Begriff wurde von Mihály Csíkszentmihályi, einem Psychologen, wissenschaftlich geprägt und über die Jahre immer weiter analysiert und verfeinert.

Damit ein Mensch in Flow kommen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Klares und erreichbares Ziel
  2. Schnelles, häufiges Feedback
  3. Gefühlt hoher Schwierigkeitsgrad Aufgabe
  4. Gefühlt anspruchsvolle Fähigkeiten
  5. Freiheit von Ablekungen

Hier ist ein kurzer TED-Talk (Video in Englisch mit deutschen Untertiteln), der die Bedeutung von Flow und das Gefühl darin zu sein näher vermittelt.

 

Flow in Teams systematisch erreichen mit Agilen Methoden

 

Die obigen Hackathons und andere agile Umgebungen zeigen, dass die Bedingungen von Flow regelmäßig erreicht werden können. Insbesondere schaffen es hier ganze Gruppen von Menschen im Flow zu arbeiten. Das ist ein Schritt weiter als die einsame Arbeit eines Komponisten oder Malers, wie im Talk von Csíkszentmihályi.

Für mich ist das Erreichen des Flows als Team das wirkliche Ziel meines Agilen Coachings. Dazu nehme ich mir aus den Methodenwelten von Kanban, Scrum, XP, Lean StartUp, Management 3.0 das raus, was dafür notwendig ist.

In weiteren Posts werde ich aufzeigen, wie man einzelne Methoden aus dem Agilen-Werkzeugkasten nutzen kann, um Flow zuverlässig herzustellen.

Bild-Urheber: Thorsten Jutzie  / pixelio.de